Carl-Schomburg-Schule Kassel

Kooperative Gesamtschule ∙ Ganztagsschule ∙ Kulturschule

„...und in der Kapelle war es immer übel romantisch!“

- Tage der Orientierung mit einer 7. Klasse -

Mit fünf evangelischen und 14 muslimischen Jugendlichen drei Tage in der evangelischen Jugendbildungsstätte in Bad Hersfeld – Tage der Orientierung. Kann das gut gehen?

Die H7D der Carl-Schomburg-Schule in Kassel hat es ausprobiert und sagt: „Es kann! Sehr gut sogar!“

Die Carl-Schomburg-Schule als Kulturschule und Schule im Trialog der Religionen hat es sich auf die Fahnen geschrieben, Kultur und Religion der Lernenden wertzuschätzen und den Austausch darüber anzuregen. So traf das Angebot der evangelischen Kirche auf großes Interesse – zumindest bei der Klassenlehrerin.

Die Jugendlichen wollten in erster Linie auf Klassenfahrt fahren. So wurde auch erst einmal gemeutert, als man merkte, dass neben Chillen noch andere Inhalte im auf dem Programm stehen sollten. Und dann auch noch so komische – kein Schwimmbadbesuch? Kein Kino???? Das ist ja langweilig!

Doch dann kam alles ganz anders - Rollenspiele, gemeinsames Bildermalen, eine Traumreise und Klettern im Niedrigseilgarten. Pfarrer Heymann und die Teamer von der CVJM hatten sich so einiges einfallen lassen. Sie arbeiteten mit den Jugendlichen intensiv und vor allem authentisch. Darin liegt auch das Erfolgskonzept der Tage der Orientierung. Menschen, die ihren Glauben unaufdringlich leben und sich als Gesprächspartner anbieten, regen zum Nachdenken an - und zum „sich selbst positionieren“.

Wenn der Pfarrer vor dem Essen betet, finden das muslimische SchülerInnen ganz normal. Das tun sie vor dem Essen sowieso immer. Man bekommt es in der Mensa aber nicht mit, weil sie es leise machen. Das Essen wird klar gekennzeichnet und sogar der Wackelpudding ist ohne Schweinegelatine. Ein Schüler kommentiert das anerkennend: „Die kümmern sich hier voll gut um uns!“ Es wird ganz klar, dass jeder Glauben respektiert wird.

Dass die Kapelle ein Ort ist, an dem nicht gesprochen wird, ist für alle Jugendlichen selbstverständlich. Sie ist ein „heiliger Ort“, wie mir einer meiner Schüler erklärt, auch für Muslime. So leise habe ich meine SchülerInnen noch nie erlebt. 15 Minuten andächtige Stille bei der Abendandacht. Ich wusste gar nicht, dass das geht. Und schon am nächsten Tag nach dem Frühstück die Frage: „Gehen wir heute Abend wieder in die Kapelle?“

Verwundert stelle ich fest, dass meine SchülerInnen, die mir oft „wie von Sinnen“ vorkommen und so gar nicht bei sich selbst, es genießen, zur Ruhe zu kommen. Mal zehn Minuten still sein, sich „besinnen“ und eine Kerze betrachten. Über den vergangenen Tag nachdenken. Eine kleine Auszeit im sonst so hektischen Schulalltag die ein Schüler mit leuchtenden Augen kommentiert:

„Das war so schön mit den Kerzen und der Musik. Ich bin noch ganz lange sitzen geblieben. Bestimmt so sieben Minuten.“

Und der nächste sagt: „Und der Pfarrer hat immer gesagt ‚Ich lade euch ein! Ich lade euch ein!’“ Wohl ein ungewohntes Gefühl für meine SchülerInnen, eingeladen zu werden. Überlegen, ob man mitmachen möchte.

Die Tage der Orientierung haben die SchülerInnen zusammenwachsen lassen. Sie haben sich selbst und sich als Gruppe besser kennengelernt, Grenzen ausgetestet und Unterstützung erfahren. Der Abschied fiel schwer, denn es waren sich alle einig: Das waren drei tolle Tage. Kurz: ein wunderbares Angebot der Kirche und unbedingt empfehlenswert. Ein wichtiger Bestandteil pädagogischer Arbeit in einem Land mit Religionsfreiheit.

 

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